10. Januar 2014

Karl-Ernst-Osthaus-Museum








1898 beauftragte der Hagener Bankierssohn Karl Ernst Osthaus den Berliner Architekten Carl Gérard mit dem Bau eines naturhistorischen Museums, das er der Stadt schenken wollte. Als der Außenbau in Neorenaissance mit gotischen Stilelementen errichtet war, änderte Osthaus allerdings seine Meinung: Er war in Berührung mit der damaligen Avantgarde gekommen und sein Herz schlug nun secessionistisch. Der Zweck des Museums änderte sich, es sollte ein Kunstmuseum werden, und zwar das denkbar modernste. So beauftragte er den belgischen Architekten Henry van de Velde mit dem Innenausbau im Jugendstil, kaufte Schlüsselwerke von Gauguin, van Gogh und Matisse ein und nannte das Museum Folkwang-Museum nach der Wohnstätte der Göttin Freya aus der nordischen Mythologie. Osthaus engagierte sich auch weiter für seine Stadt und vermittelte fortschrittlichen Architekten und Künstlern Aufträge, was zur Bildung des kunstgeschichtlichen Begriffes "Hagener Impuls" führte. Nach dem ersten Weltkrieg änderte sich jedoch, wie so oft, alles: gesundheitlich und wirtschaftlich angegriffen, konnte Osthaus seine Pläne nicht weiter so ambitioniert umsetzen, wie er sie begonnen hatte. Ein Jahr nach seinem Tod im Jahre 1921 wurde die bedeutende Sammlung des Folkwang-Museums an die Stadt Essen verkauft.
Das Gebäude des Osthaus-Museums beherbergte erst ein Energieunternehmen, bis es im zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde. Nach dem Krieg wurde es von der Stadt zurückgekauft und das bereits ins Leben gerufene Karl-Ernst-Osthaus-Museum hier untergebracht. In den siebziger Jahren riss man Teile des Gebäudes ab, um einen modernen Anbau zu errichten. In den Neunzigern wiederum wurden viele Teile der verloren gegangenen Innenausstattung von Henry van den Velde rekonstruiert. Nun, im 21. Jahrhundert, wurde es renoviert und durch einen weiteren modernen Anbau umgebaut und erweitert: nämlich um das Emil-Schuhmacher-Museum, benannt nach einem weiteren berühmten Sohn der Stadt. Das Faszinierende an dem Gebäude ist (abgesehen davon, dass dort tolle Kunst gezeigt wird), dass man Baugeschichte über mehrere Epochen hinweg an ihm ablesen kann: Vom Historismus über den Jugendstil bis hin zur internationalen Moderne ist alles in seiner reinsten Form dabei. Ich liebe dieses Museum!

In 1898 Karl Ernst Osthaus, son of a local banker in Hagen, had plans to donate the city a museum for Natural History. A common building of that time was erected, in the style of neo-renaissance with gothic elements. But Osthaus changed his mind very quickly when getting in contact with the modern art movement of that time: He abandoned plans for the purpose of the museum and decided to turn it into a museum for modern art instead. Belgian architect Henry van de Velde was commissioned with the interior fittings, and real modern art was bought to fill the museum: Gauguin, van Gogh, Matisse. But everything changed after the first World War: Osthaus got sick and couldn´t hold on to his ambitious plans. Shortly after his death in 1921 the art collection was sold to Essen and the building to a local power supplier. In World War II the house was seriously damaged. After the war the city bought it back to establish the Karl-Ernst-Osthaus-Museum here, in honor of the city´s son. In the 70ies, parts of the building were demolished to erect a modern annex. In the early 2000´s another renovation and modern addition came with the building of the Emil-Schuhmacher-Museum, named after another famous son of the city, the painter Emil Schuhmacher. The whole museum is special to me, because you can read different architectural styles all at once here: From Historicism to Art Nouveau up to International Style everything is there in high quality.