18. Februar 2014

Schöner Einband, schräges Buch / Nice Cover, strange Book



Ein Buch, das mittlerweile den Status eines Klassikers erreicht hat, ist "Wenn Welten zusammenstossen" ("When Worlds Collide") von Edwin Balmer und Philip Wylie. Der Roman, der als einer der ersten die Auswirkungen des Zusammenstosses der Erde mit einem gigantischen Planeten, der in das Sonnensystem eindringt, beschreibt, ist nicht ohne Charme. Aus heutiger Sicht besitzt er jedoch krude Anteile: In aller Eile werden in verschiedenen Nationen Raumschiffe gebaut, um auf einen Trabanten des Unglücks-Planeten überzusetzen, auf dem erdähnliche Lebensbedingungen vermutet werden, und der nach der Zerstörung der Erde buchstäblich ihren Platz an der Sonne einnehmen wird. Ein Szenario, das so vorher - wir sprechen über das Jahr 1933 - noch nicht da gewesen war. Und so wird tatsächlich nicht ohne Spannung beschrieben, wie den Wissenschaftlern kein Glauben geschenkt wird, die Welt erst Einsicht hat, als es zu spät ist sowie die Schwierigkeiten, kluge Köpfe zu versammeln, die beim Bau der Arche helfen.
Das alles - vor dem Hintergrund von Naturkatastrophen beschrieben, die auftreten, weil der Planet sich nähert - ist soweit gute Unterhaltung bis auf die Rollenbilder von Mann und Frau, die der Roman schildert. Sie verändern sich mit den katastrophalen Umständen, aber in einer derart zeittypischen Weise, dass es einem ein bisschen die Kehle zuschnürt. Wenn man bedenkt, dass sich hier (damals eventuell als neu empfundene) Rollenbilder zeigen, die in die unheilvolle Zeit fallen, die dem Zweiten Weltkrieg unmittelbar vorangeht, hört man auf, die Figuren zu mögen. Es ist traurig, mit anzusehen, mit welcher erschreckenden Nüchternheit sich die Protagonisten auch den härtesten Umständen des Unglücks stellen und sie als notwendige Folge der Entwicklung der Menschheit einschätzen. Ich kann nicht anders, als darin ein Omen zu sehen. Mich bewegt die Frage: Waren damals alle Menschen so? Immerhin ist es die Generation meiner Großmutter, von der hier die Rede ist. Dachten alle in der wie in diesem Roman nachzulesenden Weise, dass das Unheil nicht abzuwenden und gar notwendig ist, um eine neue Ordnung herbeizuführen?
Der Roman mag aber wegen seiner Schilderung des kosmischen Desasters zurecht eine Art Klassiker sein, weil er versucht, die physikalischen Vorgänge realistisch zu schildern, und auch die Anstrengungen, ihnen zu entkommen. Das könnte damals relativ neu gewesen sein - wenn auch nicht die Idee an sich.

Aber weswegen ich das Buch auch hier vorstelle: Es gibt schöne Illustrationen dazu. Oben eine Taschenbuch-Ausgabe aus dem Gebrüder Weiß Verlag aus Berlin-Schöneberg, vermutlich aus den Fünfzigerjahren. Der gemalte Einband stammt von Bernhard Borchert (vermutlich aber eher seinem Sohn, Bernhard Wilhelm Borchert - die Borcherts sind eine Künstlerfamilie in der vierten Generation). Er zeigt den dramatischen Moment, als die Erde mit dem Unglücksplaneten kollidiert. Ich finde ihn schön klassisch gemalt.
Noch spannender finde ich jedoch den Leineneinband der Hardcover-Ausgabe darunter (aus demselben Verlag): Graphisch klar und doch deutlich voller Bewegung schildert er dieselbe Situation in Form einer Vignette. Man kann Abstand nehmen und interpretieren, und doch Teilnehmen an der Dramatik der Situation. Auch diese Herangehensweise, ganz anders als der Schutzumschlag, stammt von Borchert, wie das Impressum vermuten lässt. Vielleicht ein Beweis dafür, dass Illustratoren aus Büchern manchmal mehr machen können, als in diesen steckt - oder noch besser: Dass die Illustrationen zu einem Buch manchmal besser sein können, als das Buch selbst.

A book that has come to a 'classic' status is Edwin Balmer´s and Philip Wylie´s "When Worlds Collide" from 1933. A difficult year for a novel depicting the effects of a runaway star coming to our solar system, destroying earth and leaving back an inhabitable small planet that can 'replace' Earth. And which is, therefore, the goal for several scientists bright enough to be aware of the thread: The novel tells us about the efforts to build giant rocketships that are able to move a chosen group of people to the new planet, thus making sure that mankind survives desaster.
But how it survives! The involved characters are slightly altered by the coming doomsday. Role models arise that somehow too easy fit into the human state before Second World War. The people we are following through the dramatic plot question many role models they grew up with and decide they have to replace them with new ones - regarded from today´s point of view, quite with steel-harted and totalitarian ones. Okay, no surprise - why should a novel written in that time be different? Well, because a real good novel always not only finds answers how to react. It questions moral issues and ways of behavior deeper, not only shows the state of having no choice, doesn´t give random answers, but far more complex ones. After all, it´s obvious that When Worlds Collide is not the best science fiction novel, but is has a certain force in how it describes the cosmic cataclysm. That comes with a sort of realistic description to an epic degree that might have never been narrated in such scale.
But why I am portraying the book here: the charming cover illustrations I stumbled across! On top you see a paperback edition presumably from the fifties, with a jacket illustration by Bernhard Borchert (more likely his son, Bernhard Wilhelm Borchert - the Borcherts are a fourth-generation-family of artists). He must have done it already for an earlier edition, if my sources are right. The one below shows the front of a hardcover edition with the jacket missing. According to the imprint, also this vignette is from Borchert - I like it very much for its graphic quality. And ain´t it cool how the same artist could express the same moment in such different ways? For me, it´s a prove that some illustrations can be better than the text itself.