25. September 2014

Jugendstil in Belgien: Antwerpen / Art Nouveau in Belgium: Antwerp




















Auf meiner Reise durch Flandern war ich auch mehrmals in Antwerpen, einer pulsierenden Metropole, die besonders im Handel mit Diamanten große Bedeutung hat. Zur Zeit wird versucht, den Schwerpunkt der Stadt auf die Mode zu verlagern, da Diamanten ja zumeist unter zweifelhaften Bedingungen der Erde abgerungen werden. Man sieht der Stadt ihren großen Reichtum an, ob auf der Meir, der großen, zentralen Einkaufsstraße der Stadt mit ihren prächtigen Banken, Versicherungstempeln oder Kaufhäusern, am beeindruckenden Hauptbahnhof, der einer Kathedrale ebenbürtig ist, oder der Liebfrauenkathedrale im Herzen der Stadt selbst - sie hat neben dem Hauptschiff noch sechs (!) Seitenschiffe. Sehen kann man den Reichtum aber auch an den prächtigen Bürgerhäusern aus dem Historismus - und eben aus dem Jugendstil, dem Art Nouveau. Er ist viel, viel prächtiger und flamboyant hier als in den anderen belgischen Städten. Alles schwingt viel mehr, ist detailreicher und geizt nicht mit farbenfrohen Mosaiken und selbstbewussten Namen, die sich die Häuser selbst geben - so wie das Haus "Les Mouettes" ("Die Möwen") auf Bild Nr. 13. Es steht in einem besonders prächtigen Bezirk, dem um die Cogels Osylei, eine Straße im Stadtteil Zurenborg. Hier reiht sich Palast an Palast, und die Häuser spielen phantasievoll mit floralen Motiven wie Sonnenblumen (Bild Nr. 16, Haus "De Zonnebloom", Architekt: Jules Hofman), mit Mosaiken zu den vier Jahreszeiten (Bild 11 ; General Van Merlestraat ff., Haus "Der Herbst", Architekt: Joseph Bascourt) oder der Schlacht um Waterloo (Bild Nr. 9, Architekt: Frans Smet-Verhas; er baute auch das Haus "Die fünf Kontinente" (Bild 4-6), das ein Schiffsbug ziert). Die ersten drei Bilder sind dem "Maison du Peuple" Antwerpens gewidmet (Architekt: Jan van Asperen und Émile Van Averbecke), einem der wenigen gut erhaltenen, die in Belgien noch existieren: Um die Jahrhundertwende 1900 erbauten sich die gewerkschafts- und Arbeitervereinigungen oft sehr aufwändige Versammlungshäuser (meist mit Einkaufsmöglichkeiten, also veritable Kaufhäuser) von bedeutenden Jugendstilarchitekten. Das berühmteste seiner Art, das Maison du Peuple in Brüssel von Victor Horta, wurde leider in den späten 1960er jahren abgerissen.
 Das letzte Bild zeigt, wie allgegenwärtig vom Jugendstil beeinflusste Ladenverkleidungen auch heute noch im Stadtbild Antwerpens sind - hier ist er zu haben, der Laden mit dem Fenster im (gemäßigten) Jugendstil, und es ist (fast) nichts Besonderes...

On my way through Flanders I visited Antwerp several times, a vibrating city which became known for its diamond trade. Now, it´s trying to change it´s economic center to fashion, because diamonds are mostly brought up to the light of day under dubious circumstances. You can see the wealth the city came up to throughout the whole picture of it: At the Meir, the main shopping mall with its huge and splendid department stores, at the luxurious Central Station, or inside the famous Cathedral of Our Lady - it´s got seven naves (!) and houses a lot of high-ranking art from Old Masters. But you can see it also at the noble private houses and villas. Some of them are erected in a very grand fashion of Art Nouveau, much more flamboyant than in any other city of Belgium that I´ve seen. Everything floats with stone-carved waves and leaf-like ornaments, which often embrace fanciful and and gorgeous mosaics. Many tilings feature"names" of the buildings, as it is with the house "Les Mouettes" ("The Seagulls") on picture no. 13. It´s standing in a richly ornamented couple of streets around the Cogels Osylei, a street in the Antwerp borough Zurenborg. Here, palace comes after palace, and the buildings are playing with ornaments like sunflowers (picture no. 16, name of the house: "De Zonnebloom", architect: Jules Hofman), mosaics with the four seasons (picture no. 11; General Van Merlestraat ff., "Autumn", architect: Joseph Bascourt) or the battle of Waterloo (picture no. 9, architect: Frans Smet-Verhas; he also built the house "The Five Continents" (pic. 4-6), which is using a ship´s bow as a motif for a balcony´s sub-construction). The first three pictures of this post are dedicated to Antwerp´s "Maison du Peuple" (architect: Jan van Asperen and Émile Van Averbecke), one of the few in good shape that still exist in Belgium: Around 1900, labour unions built themselves huge assembly buildings, showing their power and self-esteem (often with a grand café and shops inside) by renowned architects. The most famous one, the Maison du Peuple in Brussels by Victor Horta, was unfortunately demolished in the late 1960ies.
 The last picture may show how common Art Nouveau spirit was and still is today in the town, often to be seen at the shop exteriors: There you can have it, the shop with a window in (a little downsized) Art Nouveau, and it is almost nothing special...

17. September 2014

Neuerscheinung: Leo und Leo Band 6 - Der Spatz von Paris / New Release: The Parisian Sparrow














Vorhang auf für ein brandneues Abenteuer von Leo und Leo, den Detektiv-Zwillingen von Tobias Bungter im moses-Verlag! Diesmal geht es in die Hauptstadt Frankreichs, wo sie den sagenhaften Spatz von Paris jagen, einen gerissenen Meister-Ganoven, der von allen Pariser Gangstern bewundert wird. Ein leibhaftiger Spatz, nicht größer als ein Handteller! Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit Luzifera van Hell und ihrem pupsenden Mops Grotto. Es wird im wahrsten Sinne des Wortes charmant, amüsant und rasant!

Raise the curtain for a brandnew adventure of Leo and Leo, the finest and brightest detective twins of the world! They´re involved in a tricky case around the mysterious 'Parisian Sparrow", a real master of crime. A veritable Sparrow indeed, not bigger than your hand, but admired by every thug and mug of Paris! On top of that, also vicious Luzifera van Hell and here farting pug dog Grotto are chasing the little Napoleon of crime. Now available in book stores!

11. September 2014

Jugendstil in Belgien: Brüssel / Art Nouveau in Belgium: Brussels




















Ein Besuch Belgiens wäre nicht komplett, ohne in der Hauptstadt Brüssel ein wenig auf den Spuren der Jugendstilarchitekten gewandert zu sein, die dort gearbeitet haben. Allen voran ist Victor Horta zu nennen, ein geradezu visionärer Architekt seiner Zeit, der als Pionier dieses Stils genannt werden muss und ihn quasi über Nacht (mit dem Haus Tassel, das aufgrund seiner neuartigen, aufwändigen Innenausstattung für einen Skandal sorgte) berühmt machte. Die allerersten drei Bilder zeigen sein eigenes Haus, das er sich im Brüsseler Stadtteil Saint-Gilles baute, in dem auch heute noch viele Jugendstilhäuser stehen. So das Haus Tassel (viertes Bild von oben) und das Haus Solvay (darunter). An diesen Häusern ist alles durchgestaltet, vom Briefschlitz bis zur Hausnummer.
Aber auch andere Architekten bauten im (damals) neuen Stil: so z. B. Albert Rosenboom, der das Haus in der Rue Faider baute, das unter dem Bild mit der Hausnummer 22 des Solvay-Hauses zu sehen ist. Auch hier bilden Fußabtreter und Briefschlitz an der Fassade eine organische Einheit. Oder Ernest Blerot, der in Ixelles, dem Nachbarstadtteil, Jugendstilhäuser baute, die auf den Bildern 10-14 zu sehen sind. Paul Hankar, der ähnlichen Ruhm und Bedeutung wie Horta erlangte, baute im sogenannten "art nouveau géométrique", einer weniger floral-verspielten Variante des Jugendstils (wie zum Beispiel der von Horta). Sein Haus auf der Rue Defacqz spielt geschickt mit Wandmalereien am Erker, die hinter einem geometrischen Gitter (generell sind gusseiserne Balustraden und Träger, oft in floralen Schwüngen, ein besondere Merkmal des belgischen Art Nouveau) angebracht sind. In der Mode der Jugendstilarchitekten signierte er das Haus gar auf einem Stein neben der Eingangstür. Die drei letzten Bilder (und auch Bild Nr. 9) zeigen Details anderer Häuser in der Umgebung, an denen man sehen kann, wie sehr der Jugendstil zeitweise Mode war und sich, für Flandern gesprochen, auch in kleinerem Maßstab im Stadtbild fand. Es gab zudem noch eine ganze Reihe andere, etwas unbekannte flandrische Architekten des Jugendstils, deren Werke ebenfalls sehenswert sind, die aber noch auf eine Entdeckung warten: so zum Beispiel Geo Henderick (Gent), Jean-Pierre van Oostveen (Brüssel) oder Achilles van Hoeck-Dessel (Gent und Brüssel).

A vistit to Belgium wouldn´t be complete without going on an Art Nouveau tour, a style which was invented here. Most notably Victor Horta was famous for this style, and might even made it up alone, with the plans for the Tassel house, with made a scandal at it´s time because of it´s interior in flamboyant art nouveau architecture. The first three pictures show his own house in the Brussels borough Saint-Gilles. A lot of other art nouveau buildings can be found in this area and also in the neighborhood, Ixelles, like the Solvay house, which can be seen on the pictures 5 and 6. You may not judge these buildings from their rather decent facades, the interior is always splendid, rich and gilded, and everything is designed as a whole from the mail slot to the house number (most architects who were commissioned to create such a building also designed the furniture and even the dish and silverware for the houses). 
But there were also other architects, less known today than famous Monsieur Horta, who built beautiful art nouveau maisons in the area: For example Albert Rosenbloom, who built the house in the Rue Faider which can be seen in the 7th and 8th picture. Can you see the unity formed by the mail slot and the door scraper? Or Ernest Blerot, who built the buildings on the picture 10-14 in the Ixelles borough. Paul Hankar (No. 15-17), who came to fame almost as big as Horta, built his own house on the Rue Defacqz in a "geometric" art nouveau style for which he became a pioneer. It´s beautiful with its wall paintings done behind a wrought iron "fence" or balustrade at the bay window which goes up to the second floor and is topped by a balcony on the third (No. 16). He even signed his house, on a stone besides the entrance door (a common fashion of art nouveau architects). The last three pictures (and also No. 9) show details on other buildings in the area which have some art nouveau features, indicating how popular the style was, and how it was used as some sort of a stylistic addition on houses done in a more historistic style, too. 
And there were also many others, not as know as the aforementioned ones, like Geo Henderick (Ghent), Jean-Pierre van Oostveen (Brussels) or Achilles van Hoeck-Dessel (Ghent and Brussels) who build in an Art Nouveau style legally of their own.