10. März 2016

Ein klingender Gast / A Melodious Guest










In unser Haus hat sich ein neuer klingender Gast eingefunden: Ein Harmonium der Firma Trayser aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit waren Harmoniums sehr weit verbreitet, und wurden in Deutschland manchmal auch nach französischer Bauart hergestellt - an dem Land orientiert, in dem das Harmonium erfunden wurde. Trayser hatte in Frankreich gelernt und seine Kenntnisse mit nach Deutschland genommen - deshalb ist fast alles an diesem Instrument wie seine französischen Pendants: selbst die Technik, die Oberfläche der Messinggriffe auf eine bestimmte Art zu behandeln, ist dieselbe. Aber vor allem klanglich ist die Nachbildung der Bauweise reizvoll. Denn die französische Druckwindtechnik, die im Gegensatz zur Saugwindtechnik der meisten deutschen Harmoniums steht, ermöglicht einen einzigartigen Klang, der den Spieler vor die Herausforderung stellt, mit "Expression" zu spielen: Eine bestimmte Spieltechnik beim Treten der Pedale bringt ein ganz besonders feines An- und Abschwellen der Töne hervor, wie es bei der Orgel, der "großen Schwester" des Harmoniums, so nicht möglich ist - abgesehen davon, dass wie bei allen Harmoniums mit dem Knieschweller (eine Lade, die man beim Spielen mit dem Knie zur Seite drückt) noch zusätzlich laut und leise gespielt werden kann. Insgesamt ist es wegen dieser das Klangspektrum erweiternden Möglichkeiten für den Harmonisten also besonders reizvoll, ein Instrument nach französischer Bauart zu spielen.
Wir fanden dieses Instrument in einer Scheune nahe Wittenberg, und obwohl einiges dran zu tun ist - der Balg ist, wie nach so langer Zeit üblich, beschädigt und auch der Holzwurm ist drin - haben wir uns sofort in das schöne Stück verliebt und gehen nun in die Planung der sorgfältigen Instandsetzung. Immer wieder ist es ein Abenteuer, solch schöne Dinge zu entdecken und aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken!

A new tuneful guest has made inroads into our home: a reed organ built by Trayser, a pioneer who brought the elaborate technique of the french pressure system for reed organs to Germany. Because he put the complete knowledge he garned in France into the branch and (likewise) because german customers should not only take the inside, but also the outside of the instrument as an alternative for the wide-spread vacuum-system organs of that period, almost everything on this instrument is like it´s french original: Even the way the brass handles are done reminds very much of the french manufacture. But most of all, it´s the sound style of this instrument that is so zestfully for the organ player: It enables to play with "Expression" a certain playing technique that demands skills in using the pedal of the organ, going along with the sill that is played with the knee. That enriches the sound and opens more and beautifully distinctive ways to the playing. On top, the overall sound itself is rich and very smooth.
We found this beauty in a barn on the countryside near Wittenberg, and although there are many things to to - the bellows are damaged and the wood worm has to be fought off - we instantly fell for this one and are now planning the restoration. It is always an adventure to discover such things and rouse them from a sleeping beauty slumber!