18. März 2016

"Die schlafenden Bäume" von Ernst Kreidolf "The Sleeping Trees" by Ernst Kreidolf


Vorsatzpapier.
Book End Paper.


Schmutztitel. 
Half-Title. 


Widmung.
Dedication.


Seiten 12 und 13.
Pages 12 and 13.


Seiten 14 und 15. 
Pages 14 and 15.
 

Vignette.


Cover.

"Die schlafenden Bäume" ist ein Kinderbuch des Schweizer Grafikers und Illustrators Ernst Kreidolf (1863-1956), der unter den Illustratoren seiner Zeit für mich heraussticht. Typisch für seine Zeit, verarbeitet er in seinen Kinderbüchern die Flora und Fauna, personifiziert und "belebt" ganz im Sinne der Romantik: Schmetterlinge sind prachtvolle Lebewesen, die ihre schmückenden Flügel stolz und pittoresk tragen und zusammen mit anderen Tieren - Kornähren-Damen und Käfer-Kindern und so vielen Mitgliedern der Feld-, Wald- und Wiesengesellschaft mehr - liebevolle und naturverbundene Geschichten erleben. Aber wie diese Geschichten illustriert sind! 
Bei "Die schlafenden Bäume" zeigt schon das Vorsatzpapier (ganz oben abgebildet), dass Kreidolf sowohl grafisch als auch figürlich außerordentlich geschickt war, und ganz in seinem eigenen Duktus stilisiert. Die Vignette mit der Widmung haut mich schlichtweg immer wiede rumn - diese typische Anmutung des Hirsches, auf das Wichtigste reduziert und trotzdem sehr anmutig gezeichnet. 
Viele von Kreidolfs Büchern sind im Schafstein-Verlag (später Schaffstein) erschienen, in der Schweiz beim Rotapfel-Verlag.
Mich beeindrucken die Bilder sehr, und gerade "Die schlafenden Bäume" erinnert mich an die "Willie Wee Winkie´s World"-Comics (zusammen mit den "Kin-Der-Kids"-Comics erschienen) von Lyonel Feininger, in dem der kleine Willie in seiner Umgebung die zu Figuren verwandelten alltäglichen Dinge wie Bäume, Windmühlen und Berg- und Wolkenformationen beobachtet und sie in Aktion sieht. So wie in Feiningers Comics, fügt auch bei "Die schlafenden Bäume" die Drucktechnik der Zeit dem Produkt unendlich Charme hinzu: Da wird das Unwetter, dem sich die Bäume ausgesetzt sehen, zum nächtlich-diffusen, tropfigen Farben-Regen, der die Äste aufpeitscht. Ein ästhetischer Hochgenuss.
Das Buch stammt aus meiner Familie und ich glaube, es ist über meinen Urgroßvater Emil Lohse zu uns gekommen, der in Dresden lebte - wo Kreidolf sich auch zeitweise aufgehalten hat.

"Die schlafenden Bäume" ("The Sleeping Trees") by Ernst Kreidolf (1863-1956), a swiss pinter and illustrator, is one of my favorite books in our family. I love its lavish yet somehow graphic art nouveau-style, already the book end paper shows how skilful Kreidolf was in combining stylized forms and patterns and detailed depiction of natural environment. Kreidolf was known for his children´s books with fairy tales full of butteflies showing off their fancyful wings and grain spike girls wearing their straw gowns, skeeter kids playing around - "The Sleeping Trees" tells of trees facing a midnight storm. A visiually stunning and beautiful, also a little bit haunting story, typical for the era. It remninds me a bit of what Lyonel Feininger had in mind with ’Wee Willie Winkie’s World’. And just look at the stag in the dedication!
I think this book came into my family through my great-grandfather Emil Lohse, also an illustrator and silhouettes cutter, who lived in Dresden, where Kreidolf lived for a time, too.